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Call for Papers: Das Andere des Rechts- Dimensionen der Rechtskritik in der Gegenwart/ Fristverlängerung bis zum 15. März 2009

Call für einen interdisziplinären Workshop der Sektion Rechtssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), der Sektion Theorie der Gesellschaft für Interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK) und des Instituts für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg und des Instituts für Recht und Gesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin 17. Juli 2009

Die marxistisch inspirierte Rechtskritik der 1970er Jahre konzentrierte sich noch auf den bürgerlichen Wohlfahrtsstaat und die von ihm gewährten Rechte. In der Gegenwart scheint die Rolle des Staates als geeigneter Adressat der Kritik undeutlich geworden zu sein. Der Workshop nimmt dies zum Anlass, Potenziale und Grenzen gegenwärtiger Rechtskritik auszuloten und dabei verschiedene kritische Ansätze miteinander ins Gespräch zu bringen. In der aktuellen Diskussion zeichnen sich grosso modo mindestens vier Perspektiven ab: eine (1) normativ, (2) kulturalistisch, (3) poststrukturalistisch oder (4) praxeologisch orientierte Rechtskritik. Jede dieser Perspektiven operiert, so die Hypothese, mit verschiedenen Verweisen auf ein Anderes, ein Äußeres des Rechts. Darin unterscheiden sie sich von einer immanenten Rechtskritik, die mit Hilfe juristischer Methoden Normenkonflikte feststellt.

Erstens verweist eine normativ orientierte Rechtskritik auf Universalien anhand derer Rechtmäßigkeit vermessen wird. Recht kann demnach universelle Standards unterbieten bzw. – wider alle Menschlichkeit – Unrecht (z.B. Folter), rechtlose Existenzen (z.B. „Illegale“) oder rechtsfreie Räume (z.B. Guantánamo) hervorbringen. Die normative Rechtskritik macht rechtliche Verfehlungen geltend, erinnert an andere, negierte Werte und fordert deren Wiedereinsetzung. Sie evaluiert die Entstehung von Gesetzen und ihre Legitimität und fungiert in dieser Weise zugleich als Demokratiekritik.

Zweitens lassen sich anti-universalistische Gegenbewegungen zu einem globalisierten, als „hegemonial“ aufgefassten Recht beobachten. Der Universalismus von Demokratie und Menschenrechten wird hier als westlicher, neoliberaler Herrschaftsanspruch kritisiert. Verwiesen wird auf tradierte Lebenszusammenhänge, die sich der neoliberalen, postkolonialen Logik verweigern. Gepaart ist diese Perspektive oftmals mit einer neomarxistischen Analyse des Rechts als Instrument der Herrschafts- bzw. Hegemoniesicherung. Prominent sind hier Arbeiten zu „tribal courts“ oder zu lokalen, alternativen Konfliktbearbeitungen. Das Andere des Rechts wäre hier v.a. der Anspruch auf Selbstbestimmung von Lebenswelten, Kulturen oder Peripherien.

Demgegenüber begreift, drittens, eine poststrukturalistisch inspirierte Rechtskritik das Andere als das Politische des Rechts. Dieses Andere verweist demnach auf eine unausgesprochene politische Wirkungsweise des Rechts. Diagnostiziert wird z.B. eine räumliche Expansion, in der Recht vermehrt nationale Grenzen überschreitet; eine normative Überbietung, in der Recht universelle Ansprüche erhebt; eine zeitliche Ausweitung, indem Recht Tatbestände nicht mehr nur nachträglich, sondern auch präventiv bewertet. Die Frage nach dem Politischen des Rechts interessiert sich für seine machtvollen Herstellungen von Ein- und Ausschlüssen.
Ethnographische und ethnomethodologische Ansätze üben Rechtskritik, viertens, in empirisch detaillierten Nachvollzügen von Rechtspraxis. Sie leuchten die Black Box eines „law in action“ aus. Sie zeichnen die Spuren zu den Fällen und Gegenständen „dort draußen“ nach und erinnern an die Zustände der Vorläufigkeit, der Unentschiedenheit und der Kontingenz. Recht ist demnach außerstande, die sozialen und praktischen Voraussetzungen seiner Anwendung zu realisieren und zu reflektieren. Mehr noch, die uneingestandenen Bedingungen werden in juristischen Selbstdarstellungen (in Urteilen, Verfahrensvorschriften oder Protokollen) systematisch negiert und unter die Doktrin des Rechts als Text subsumiert.

Diese Auflistung ließe sich leicht fortführen: einige Ansätze kritisieren Recht als inflationär gebrauchtes, untaugliches Steuerungsmittel; andere Ansätze beklagen die fortschreitende Verrechtlichung und Normierung durch Recht; wieder andere kritisieren die Blindheit von Recht gegenüber „unübersetzbaren“ Problemen. Wir möchten die verschiedenen kritischen Perspektiven und Dimensionen in einem Workshop zusammenführen, um die Potentiale, Differenzen und Grenzen gegenwärtiger rechtskritischer Bewegungen auszuloten.

Wir laden Forscherinnen und Forscher aus allen Feldern der Law & Society Studies ein, Arbeiten zum genannten Problem- und Themenkomplex zu präsentieren. Herzlich willkommen sind empirisch fokussierte wie theoretisch inspirierte, englische wie deutsche Beiträge.

Abstracts bzw. knappe Vortragsvorschläge (max. 2000 Zeichen) senden Sie bitte bis zum 15.3.2009 an Prof. Dr. Susanne Krasmann (susanne.krasmann@uni-hamburg.de) und Dr. Thomas Scheffer (scheffer@law-in-action.org).
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