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You are here: Home Literatur Michael Wrase/Christian Boulanger (Hg.): Die Politik des Verfassungsrechts Kriszta Kovács / Gábor Attila Tóth: Aufstieg und Krise: Wirkung der deutschen Verfassungsgerichtsbarkeit auf Ungarn

Kriszta Kovács / Gábor Attila Tóth: Aufstieg und Krise: Wirkung der deutschen Verfassungsgerichtsbarkeit auf Ungarn

Dieser Artikel vergleicht die Vergangenheit und Gegenwart der ungarischen Verfassungsgerichtsbarkeit mit der Institution und Praxis des deutschen Bundesverfassungsgerichts. Er besteht aus vier Teilen: Zuerst werden die wichtigsten Standpunkte innerhalb der Diskussion nachvollzogen, die sich um die Frage der Legitimität der richterlicher Kontrolle von gesetzgeberischen Entscheidungen entsponnen hat. Im anschließenden Teil wird dargestellt, inwiefern die Schaffung eines von dem normalen Instanzenzug getrennten Verfassungsgerichts in Ungarn im Jahre 1989 dem Modell der deutschen Nachkriegstradition folgte. Das Verfassungsgericht Ungarns orientierte sich, wie der dritte Teil zeigt, während der zwei Jahrzehnte seines Bestehens kontinuierlich an der Verfahrensweise und an den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Der letzte Teil des Artikels vergleicht die 2010 veränderten Kompetenzen des ungarischen Verfassungsgerichts, zu dem seitdem auch eine Verfassungsbeschwerde erhoben werden kann, mit der erneut als Referenz dienenden deutschen Lösung. Der Beitrag zeigt, dass die allgemein verbreitete Meinung differenziert betrachtet werden muss, wonach der ungarischen Verfassungsgerichtsbar-keit das deutsche Modell zugrundeliegt. Es wird argumentiert, dass das deutsche institutionelle Modell und die Urteilspraxis des Bundesverfassungsgerichts in der Mehrzahl der Fälle nicht mehr darstellen als eine reine Bezugsgrundlage. ## This chapter compares the past and present of the Hungarian Constitutional Court with the institutional design and practice of the German Federal Constitutional Court. It consists of four parts. The first part sets out the main positions in the theoretical discussion on how judicial review can be justified in a democratic system. The second part shows that, in the process of political transition in 1989, in establishing a separate constitutional court, the authors of the Hungarian constitution partly followed the German model. In the first two decades of adjudication, the Hungarian Constitutional Court took account of the procedural and substantive solutions developed by the German Federal Constitutional Court. This is shown in the third part of the text. The final part of the chapter compares the new competence of the Hungarian Constitutional Court to hear full constitutional complaints introduced in 2011 with its German counterpart. The chapter qualifies the widely-held view that Hungarian constitutional adjudication is closely based on the German model. It argues that the German institutional model and the case-law of the German Federal Constitutional Court served in the majority of the cases as little more than a simple point of reference.